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Die Presse - Artikel vom 11.03.2000

Wir halten es für außerordentlich wichtig, daß die Techniken des NLP ethisch eingesetzt werden. Aufgrund mehrerer Anfragen haben wir uns entschlossen, diesen Artikel aufs Netz zu stellen. Wir möchten allerdings darauf hinweisen, daß darin nicht alle Aussagen richtig zitiert worden sind.

Originaltext des Artikels:

Das Erfolgsgeheimnis der FPÖ: Psychotricks und Hypnose

Die Politik der Freiheitlichen will das Gefühl der Menschen direkt ansprechen. Um das zu erreichen, wendet die FPÖ eine bunte Mischung modernster Psycho-Methoden an. Diese These untermauert der Wiener NLP-Experte Michael Winter mit verblüffenden Beispielen.

von Florian Asamer

Artikel

Neben dem freiheitlichen Parteiprogramm, das die politischen Ziele der FPÖ zusammenfaßt, existiert auch noch ein "Leitbild" der Partei. Es richtet sich direkt an FP-Funktionäre. Unter dem Titel "Zukunft hat Freiheit mit FPÖ" wird auf einen Blick dargestellt, was die freiheitliche Bewegung erreichen will (siehe Faksimile). Ist man erstmals mit einer solchen Gestaltung eines politischen Programms konfrontiert, wundert man sich über die Mischung aus bedeutungsschweren Symbolen, hohlen Phrasen und der großen Portion Pathos, die über all dem liegt. Die Strategie, die sich dahinter verbirgt, ist für den Lebens- und Sozialberater Michael Winter aber völlig klar: "Die FPÖ will den Bauch der Menschen ansprechen, nicht ihren Verstand."
Dazu bediene sich die Haider-Partei verschiedener Techniken aus dem Bereich der modernen Psychologie. So sei das abgedruckte Leitbild in einer "systemischen Vernetzungstechnik" verfaßt, die besser unter dem Namen "Mind-mapping" bekannt sei. Während ein "normaler" Textaufbau - also Titel, Kapitel mit eigenen Überschriften - die linke Gehirnhälfte und damit den Verstand anspricht, zielt "Mind-mapping" auf die rechte Gehirnhälfte: Dort hat das Gefühl seinen Sitz. "Der Aufbau des Leitbildes ahmt die Struktur des Gehirns nach", erklärt Winter. Auf diese Weise lassen sich die Inhalte leichter aufnehmen. Und vor allem, ohne den Verstand zu gebrauchen.

Neuro-linguistisches Modell

Nicht nur freiheitliche Funktionäre werden auf diese Art angesprochen. Sondern auch potentielle Wähler. Der Köder für den zuletzt so erfolgreichen Fischzug der Freiheitlichen bei den Wahlen am 3. Oktober liefert ein aus den USA stammendes Kommunikations-Modell: die Neuro-Linguistische Programmierung (NLP). Die besten Lehrer dieser Methode sitzen in Boston. "Vielleicht ein Grund für Haiders häufige Reisen nach Harvard", spekuliert Winter, selbst Experte für "NLP und Werbung", über Abstecher Haiders in die US-Stadt.
Es bedarf aber keiner Spekulationen, um zu zeigen, daß die Freiheitlichen NLP kennen und anwenden. So bietet die "Freiheitliche Akademie" in ihrem Programm auch einen NLP-Kurs an. Der Vizepräsident des Stadtschulrates Herbert Rudolph (FP) wirbt gar im Internet für NLP: "Die NLP-Ausbildung hat meine Wahrnehmungsfähigkeit geschärft", läßt Rudolph auf der Website des österreichischen Trainingszentrums für NLP verlauten. Und Jung-Abgeordneter Rüdiger Schender hat neben Rhetorik- und Verhandlungsführungs-Kursen auch seine Lektionen in NLP erhalten, wie er berichtet. Diese Schulung hilft den Funktionären dann beim Stimmenfang. "So hört sich dann eine Wahlrede in der Favoritner Fußgängerzone anders an als im Rahmen einer Universitäts-Veranstaltung", meint der NLP-Trainer Wolfgang Karber.

"Richtige" Augenstellung

Besonders eindrücklich kann Michael Winter die Anwendung von NLP-Techniken am Beispiel der FP-Plakatserie für den Nationalratswahlkampf im vergangenen Jahr demonstrieren: "Stellen Sie sich Ihr Traumhaus vor. Und jetzt achten Sie auf Ihre Augenstellung. Die blicken nach rechts oben - außer Sie sind Linkshänder, dann schauen Sie nach links oben. Denn je nachdem, ob Vorstellungen auf Bilder, Sprache oder Gefühle gerichtet sind, in die Vergangenheit oder Zukunft schweifen, ist auch die Stellung der Augen verschieden. Und das ist bei 95 Prozent der Menschen so. Mit der "richtigen" Augenstellung kann ein passender Inhalt schneller aufgenommen werden", erklärt Winter die Technik. So werden Plakat-Inhalte leichter konsumierbar gemacht. Vor allem in der Werbung. Aber auch in der Politik.
Folgt man dieser Theorie, ordnet man Botschaften, die vermittelt werden sollen, auf dem Plakat einfach nach dem Raster der Augenstellungen an: Inhalte, die das Gefühl ansprechen sollen, stehen beispielsweise rechts unten. Themen, die Bilder aus der Vergangenheit beschwören sollen, links oben. Grundsätzlich sei gegen die Anwendung dieser Technik nichts einzuwenden, meint der Management-Coach. Doch sei es möglich, NLP, wie jede andere Psycho-Technik auch, zu mißbrauchen. Das geschehe dann, wenn Politik mit Hilfe von NLP statt Haltungen und Sachargumenten Gefühle transportieren wolle, um Wähler zu gewinnen.
Beispiele für diese Vorgehensweise findet Winter in der Plakatkampagne der FPÖ im vergangenen Nationalratswahlkampf. "Insgesamt ist die Plakatserie der FPÖ die professionellste NLP-Kampagne, die ich je gesehen habe", sagt Winter. So standen die Worte "einfach menschlich" ebenso wie "Kinder schützt" (der letzte Teil des Satzes "Einer, der unsere Kinder schützt") unten rechts: in dem Bereich, der den Bauch anspricht.
Ebenso stark orientieren sich die FP-Plakate an der Einteilung Vergangenheit/Zukunft. Inhalte, die links stehen, lassen Bilder und Geräusche aus der Vergangenheit entstehen. Während die rechte Plakathälfte in die Zukunft weist. So plakatierten die Freiheitlichen unter dem Titel "Neu in unserem Team" ihren Listen-Zweiten Patrick Ortlieb (siehe Bild). Der Ex-Skifahrer wurde auf der linken Seite bei einer Abfahrt gezeigt (wir erinnern uns an seine Vergangenheit als Sportler). Auf der rechten Seite des Plakats sitzt Ortlieb am Schreibtisch (in Zukunft: ein Politiker). Durch diese Anordnung kann der Betrachter in wesentlich kürzerer Zeit alle Inhalte aufnehmen und verarbeiten.

"Besonders verwerflich"

Als "ethisch besonders verwerflich" bezeichnet Winter ein Plakat, das Jörg Haider mit einer alten Frau zeigte. Auf diesem Plakat blieb der rechte obere Bereich, der für die Zukunft steht, völlig leer. Der FP-Chef, der auf den übrigen Plakaten stets in der Zukunft plaziert ist, steht ausnahmsweise ganz links oben und erleichtert damit das Entstehen von Bildern aus der Vergangenheit. Bei Frauen, die ihren Mann oder Sohn im Krieg verloren haben, trete nun Haider im Unterbewußtsein an die Stelle des Verstorbenen, so Winter.
Doch setzte die FPÖ bereits im Wahlkampf 1995 auf Psycho-Tricks aus der NLP-Kiste. Damals ließ Jörg Haider Slogans wie "Wenn ihr wollt, erneuern wir Österreich", "Er hat euch nicht belogen" und "Sie sind gegen IHN, weil er für euch ist" plakatieren. Besonders der letzte Satz sei ein Lehrbeispiel für Hypnose nach Milton Erickson: mit "Worthülsen" können Gefühlszustände leichter hergestellt werden. Denn je unspezifischer ein Begriff ist, desto schwerer ist es, sich an ihm zu stoßen. So konnte man für das Wort "Sie" am Beginn des Slogans sowohl "Vranitzky und Schüssel" als auch "alle Ausländer" einsetzen. Zu knacken sind solche Sätze, indem man bei jedem Wort nachfragt: wer genau, wie genau, was genau?
Winter sieht übrigens eine Parallele zwischen der FPÖ und der Scientology-Bewegung, die auch auf Mitgliederfang mit NLP-Methoden setze. "Sowohl die Freiheitlichen als auch die Scientologen müssen ständig neue Menschen ansprechen." Mit einem Unterschied: Die Sekte suche Mitglieder, die Freiheitlichen Wähler.